Es ist seltsam, dass es mir auch nach so vielen Jahren noch immer Herzklopfen bereitet, wenn ich neuen Menschen begegne, egal ob privat oder beruflich.
Immer wieder bedeutet es doch, dass man sich ein stückweit ausliefern muss, weil es nicht voraussehbar ist, wie sich die Begegnung entwickeln wird. Vielleicht habe ich mir schon ausgemalt, wie es im besten Fall sein wird? Oft habe ich mir Hoffnungen gemacht und wurde enttäuscht. Dann wieder gab es in meinem Leben Begegnungen, die vollkommen unerwartet waren, mit denen ich nie gerechnet hatte - und plötzlich entstand daraus eine Freundschaft fürs Leben. Wenn wir uns in eine Gruppe begeben, neu sind, uns einfügen möchten, dann ist es, als wäre man in einen fremden Land. Vielleicht fühlt man sich ein wenig allein? „Wie werden sie mich aufnehmen?“, fragt man sich. Ich schaue mich um, wer ist da noch? An einigen Gesichtern bleibe ich hängen. Ein Lächeln, das mir entgegenkommt. Jemand erinnert mich an wen, aber ich komme nicht darauf, an wen genau. Doch das Gefühl ist warm und freundlich. Sympathisch oder unsympathisch - solche Gedanken sind normal.
Ich sortiere erstmal, komme aber im Lauf der näheren Bekanntschaft auf neue Sichtweisen. Der erste Eindruck ist es eben nicht, der zählt. Denn der erste Eindruck, den wir von jemandem bekommen, ist oft nur das Bild, was jemand zeigen will, ein geschöntes Bild, ein photogeshopptes, eines ohne Makel. Der erste Eindruck, den ich von mir abgebe ist meist bemüht positiv. Ich möchte gemocht werden. Erst nach und nach, wenn Vertrauen entstanden ist, zeige ich auch meine Kanten. Wer mich auch damit mögen kann, wird mir Freund oder Freundin sein. Ich darf locker lassen, muss mich nicht bemühen, nur die Schokoladenseite zu zeigen.
Mich lebendig zeigen und ausdrücken dürfen, ohne Zwang immer den besten Eindruck hinterlassen zu müssen, ist die Freiheit im Ausdruck und das, was meine Kreativität anregt.